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Wagners „Der fliegende Holländer“ im Staatstheater Wiesbaden – 2018

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Ich möchte nicht dauernd meckern Wagners „Der fliegende Holländer“ im Staatstheater Wiesbaden von Matthias Woehl
Ich gehe doch nicht in die Oper, um mich aufzuregen, ich möchte auch nicht dauernd die schlechte Qualität einer Aufführung bemängeln, auch ich möchte mich amüsieren, auf- oder angeregt werden, gute Musik genießen und von hervorragenden Gesangsdarbietungen schwärmen, eine besondere intelligente Deutung verstehen, einmal wieder heiser sein vom Bravorufen. Aber warum ist das nicht mehr möglich? Bin ich zu abgeklärt nach 45 Jahren, die ich das Musiktheater nun besuche? Erwarte ich zu viel? Oder liegt es dann am Ende doch daran, das dass, was mit vorgegaukelt wird, nicht mehr der Qualität entspricht, die ich einfach gewöhnt war?

Ich überprüfe mich am Staatstheater Wiesbaden. Ich sehe eine Repertoirevorstellung des „Fliegenden Holländers“ in der Inszenierung von Michiel Dijkema. Was wird mir da gezeigt? Ein bewegliches Bühnenteil, das je nach Szene zurechtgerückt werden kann, man d…

Liederabend der Mezzosopranistin Elisabeth Hornung in Darmstadt – 2018

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Die Visitenkarte der Elisabeth Hornung Liederabend der Mezzosopranistin Elisabeth Hornung  im Ernst-Luwig-Saal in Darmstadt von Matthias Woehl
Nur wer mich kennt weiß, wie ungern ich Liederabende besuche. Es ist einfach unerträglich für mich, wenn Sängerinnen in der Diseusenkurve stehen und stocksteif säuselnd über Bächlein, Vögelein oder Blümlein singen. Nur wenige Künstlerinnen können mich da mit einem aufregenden Programm oder einer besonderen Intensität begeistern.
Seit 1984 gehört Elisabeth Hornung zum Ensemble des Staatstheater Darmstadt, und seitdem bewundere ich sie auch. In welchen Partien habe ich sie alles gesehen, als Amneris, Eboli, Herodias, Brangäne, Amme, Venus, ihre tolle Allwissende Muschel (in der Ägyptischen Helena in Essen), einfach unzählige Rollen. Man ist fast an seine „Hornung“ gewöhnt, lebt Jahrzehnte mit ihr als feste Größe am Haus, wird von ihr begleitet, wächst mit ihr ins „Charakterfach“ hinein, zuletzt als Burja in Jenufa, oder als Mary im Holländer.
Als ic…

Premierenkritik: Dietrich W. Hilsdorf inszeniert Richard Wagners „Siegfried“ – Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf – 2018

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Tour de Forc(e)ierung Premiere von Wagners „Siegfried“ an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf von Matthias Woehl 
Eine Wagner-Premiere an einem der bedeutendsten Opernhäuser in Deutschland. Ein Ereignis, bei dem man früher vor der Tür auf Menschen getroffen wäre, die ein „Suche Karte“- Schild in der Hand hielten. Heute sieht man dort Menschen, die Eintrittskarten hochhalten, in der Hoffnung, diese noch los zu werden, was nicht einfach gewesen sein muss, denn man konnte problemlos noch Karten an der Abendkasse erwerben.

Ein Grund, warum das so ist, erklärt sich beim Anschauen und besonders beim Anhören des neuen Siegfrieds an der Rheinoper. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, dessen Name eigentlich für interessante Regie steht, ist zum Siegfried allerdings nicht sonderlich viel  eingefallen, und eine Deutung gar suchen wir umsonst. Das wäre an sich nicht schlimm, denn einfach mal die Geschichte erzählen, das wäre ja fast schon etwas Besonderes in der heutigen Zeit. Dabei hat Bühnenbild…

Buchbesprechung: Reisehandbuch Kärnten von Sabine Becht und Sven Talaron

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Wo Gustav Mahler komponierte Reisehandbuch Kärnten von Sabine Becht und Sven Talaron von Klaus J. Loderer
Kärnten ist vor allem Landschaft, bergige Landschaft. Entsprechend befasst sich der informative Reiseführer von Sabine Becht und Sven Talaron mit vielen Gebirgsgruppen und Bergen wie Hohe Tauern, Nockberge, Karawanken und Saualpe, Tälern und Seen. In Villach kann man übrigens in einem Relief im Maßstein 1 : 10000 übrigens die Landschaft von oben betrachten.

Doch Kärnten besitzt auch architektonische und künstlerische Sehenswürdigkeiten. Immerhin findet sich mit dem Dom zu Gurk ein wichtiges Beispiel mittelalterlicher Baukunst mit bemerkenswertem romanischem Portal. Unter den Klöstern ist St. Paul im Lavanttal zu nennen. Weitläufig ist die Burg Hochosterwitz. Aus der Barockzeit stammen der Wappensaal im Landhaus in Klagenfurt und die Heilig-Kreuz-Kirche in Villach. Für Opern- und Theaterfreunde bietet Klagenfurt ein schönes Jugendstilstadttheater.
Unter Maiernigg stellt der Reiseführe…

Ausstellung „Maria Callas alla Fenice, una mostra“ – Teatro la Fenice in Venedig

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La Divina in La Serenissima Ausstellung über die Auftritte von Maria Callas im Teatro la Fenice in Venedig von Klaus J. Loderer

Eine kleine Ausstellung im Umgang der dritten Logenreihe im Teatro la Fenice würdigt derzeit die Auftritte von Maria Callas in Venedig. In acht Produktionen sang sie dort: 1947 in Tristan und Isolde und Turandot, 1949 in Walküre und I Puritani, 1950 Norma, 1953 La Traviata und 1954 Lucia di Lammermoor und Medea. Neben den Besetzungszetteln sind an den Wänden einige Szenenfotos aus den Produktionen zu sehen. Eindrucksvoll die Roben der Violetta der Produktion von Giuseppe Marchioro.
Aber fast noch interessanter sind die sonstigen fotografischen Schnappschüsse des Fotografen Renzo Cargasacchi. Etwa wie Maria Callas aus einem Fenster des Theaters schaut oder wie sie sich im Theater für den Auftritt fertigmacht. Einige Fotos zeigen sie auch in der Stadt. Auf dem Markusplatz präsentiert sie sich im eleganten Sommerkleid mit neuer (?) Handtasche. All diese Fotos präs…

Konzert: Georgisches Kammerorchester Ingolstadt unter Ruben Gazarian – Elbphilharmonie Hamburg – 2018

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Georgische Klänge und etwas Mozart Khatia und Gvantsa Buniatishvili und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt unter Ruben Gazarian von Klaus J. Loderer
In der Reihe Kaukasus fand am 31. März in der Hamburgischen Elbphilharmonie ein Konzert mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt statt. Dieses wurde 1964 in Tiflis als Georgisches Staatskammerorchester gegründet. 1990 übersiedelte es nach Deutschland. Leider erfuhr man aus dem Programmheft nicht, warum dieser Umzug erfolgte. Der Armenier Ruben Gazarian steht dem Orchester seit 2015 als Chefdirigent vor. Für das Konzert in Hamburg erarbeitete er mit dem Kammerorchester ein überwiegend georgisches Programm. Das hatte seinen Reiz. Denn die drei vorgestellten Komponisten sind in Deutschland eher weniger bekannt, vermitteln aber einen schönen Querschnitt durch georgische Kammermusik der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wie Liszt, Bartók oder Janacek ließen sie sich von Volksmusik inspirieren. Als Quelle diente hier die …

Filmbesprechung: „The Death of Stalin“ von Armando Iannucci

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Wenn man über Massenmörder kichert Makabre Filmkomödie "Death of Stalin" über machtgierige und kriecherische Proleten des britischen Komikers und Regisseurs Armando Iannucci von Klaus J. Loderer
Darf man über Massenmörder lachen? Vor einigen Tagen kam eine makabre Filmkomödie des britischen Komikers und Regisseurs Armando Iannucci in die deutschen Kinos, die im Vorfeld dadurch für Schlagzeilen sorgte, dass der Film in Russland nicht gezeigt werden durfte. Die „Helden“ der Sowjetunion kommen in dem Film auch gar nicht gut weg. Man kichert über die banale Proletenhaftigkeit und Dummheit der politischen Führung der Sowjetunion und ist entsetzt über ihre Niedertracht. Doch das Lachen bleibt einem öfters im Halse stecken, wenn mal wieder so ganz beiläufig ein paar Menschen liquidiert werden. Und in diesem Film werden viele Menschen liquidiert, schließlich geht es um Stalin – und der ließ eifrig morden. Aber auch den Mächtigen geht es hier an den Kragen und wir werden im Film schne…

Uraufführung von Eduard Hayrapetyan bei Konzert mit Armenian State Symphonie Orchestra – Elbphilharmonie Hamburg – 2018

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Uraufführung von Eduard Hayrapetyan Konzert mit Armenian State Symphonie Orchestra unter der Leitung von Sergey Smbatyan von Klaus J. Loderer
Eine Veranstaltungsreihe zum Thema Kaukasus widmet sich in der Elbphilharmie derzeit verschiedenen Musikrichtungen aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Am 28. März fand das Eröffnungskonzert mit dem Armenischen Staatssinfonieorchester (Armenian State Symphony Orchestra) im großen Saal der Elbphilharmonie statt. Das noch als Armenisches Jugendorchester angekündigte Ensemble überraschte mit dem Elan seines Spiels.

Einleitend war die Uraufführung einer Auftragskomposition der Elbphilharmonie für das Orchester zu hören, dass Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 4 von Eduard Hayrapetyan. Dem Cellisten Narek Hakhnazaryan komponierte Hayrapetyan dieses Werk gewissermaßen auf den Leib. Die solistische Leistung war auch herausragend. Der Cellist bedankte sich für den großen Beifall mit einem katalanischen Lied als Zugabe. Insgesamt stellte sich d…

Buchbesprechung: Teatru Manoel – The National Theatre of Malta

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Eines der ältesten bespielten Theater der Welt Das Manoel-Theater (Teatru Manoel) in Valletta von Klaus J. Loderer
Das Manoel-Theater in Maltas Hauptstadt Valletta gehört zu den ältesten bespielten Theatern der Welt. „Ad honestam populi oblectationem“ (zur ehrenvollen Erbauung des Volkes) wurde das Theater im Zentrum von Valletta errichtet. Am 9. Januar 1732 wurde das Theater mit der Tragödie „La merope“ von Scipione Maffei eröffnet. Der Name des Theaters erinnert an den Theatergründer, den Großmeister des Malteserordens, Antonio Manoel de Vilhena. 150 Jahre lang ist das Theater das wichtigste der Insel. Später hatte das neue Königliche Theater diese Rolle. Mit der Zerstörung des großen Theaters im Zweiten Weltkrieg konzentriert sich das Theaterleben seither wieder auf Das Manoel-Theater.
Ganz versteckt ist dieses kleine Logentheater in den engen Gassen Vallettas. Drei Türen in einer schlichten Steinfassade leiten in das kleine Vestibül und die beiden Treppenhäuser. Dann steht man prakt…

Schauspiel: „Liberté“ von Albert Serra mit Ingrid Caven und Helmut Berger – Berliner Volksbühne – 2018

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Das richtige Stück in der falschen ZeitAlbert Serra inszeniert sein Werk „Liberté“ an der Volksbühne Berlin – eine, nicht ganz, objektive Betrachtungvon Matthias Woehl
Eigentlich ist es kein schlechtes Stück, das Albert Serra da geschrieben hat. Aber ein Stück über die Libertinage, also die sexuelle Freizügigkeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts in der heutigen Prüderie? Das musste sowieso schief gehen. Es gibt Mätressen, in schlechten Ruf gekommene Adelige und sonstiges williges Volk, das lustig umeinander vögelt, und eine Äbtissin, die versucht, ihre Novizinnen zu ordentlichen Lustdienerinnen zu erziehen und auf dem Liebesmarkt feilzubieten. Ähnlich den für das Theater umgearbeiteten Versionendes Romans„Gefährliche Liebschaften“ von Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos. Doch ob ein solcher Stoff in den heutigen bigotten Zeiten überhaupt noch jemandem etwas zu sagen hat? Wenigstens hatten Menschen, die die alten Flower-Power Zeiten oder die Gay-Szene der 1980er Jahre noch erle…